Rang eins ist mehr Lust als Last

Zwei Werdenberger Teams steigen als Erstplazierte in die Rückrunde. Sowohl der FC Buchs (2. Liga, Gruppe 1) als auch der FC Gams (4. Liga, Gruppe 3) lassen sich trotz Leaderposition nicht unter Druck setzen. Rang eins bei Saisonende, so heisst es, sei zwar möglich – aber keine Pflicht.

Die Jagd nach dem Ball wird morgen Donnerstag eröffnet, es erfolgt der Rückrundenstart im Regionalfussball. In der Rolle des Gejagten, also Leader nach der Vorrunde, sind auch zwei Werdenberger Teams. Für die Trainer Francesco Clemente vomFC Buchs und Memo Eriten vom FC Gams stellt sich da die Frage: Wie verteidigt man erfolgreich einen ersten Platz?

Vorrunde erfolgreich kopieren
«Das wird nicht einfach sein», sagt Clemente. «Aber das ist auch nicht unser Ziel. Wir müssen nicht auf die Tabelle schauen. Wir gehen in die Rückrunde so, wie wir in die Vorrunde gegangen sind und schauen von Spiel zu Spiel. Wir probieren einfach in jedem Spiel, unser Bestes zu geben.» DieAntwort von Eriten geht in dieselbe Richtung: «Gleich wie in der Vorrunde spielen und aus Fehlern der Vorrunde lernen. Das, was wir uns in der Vorbereitung im taktischen Bereich vorgenommen haben, auch umsetzen – und dann schauen wir, wie weit nach vorne es reicht.»

«Überraschenderweise oben»
Wie sich Rang eins anfühlt, wissen die Spieler des FC Buchs bestens. Denn diesen hatten sie letzte Saison in der 3. Liga zur Halbzeit und auch am Ende inne. «Das kann man nicht vergleichen», schwächt Spielertrainer Clemente ab. «In die 3. Liga sind wir gestartet, um aufzusteigen. Dieses Jahr sind wir überraschenderweise oben.» Aus diesem Grund hört man auf dem Sportplatz Rheinau das Wort «Aufstieg» auch nicht. Primäres Ziel sei der Ligaerhalt. Erst wenn dieser mathematisch feststeht, will man sich beim FC Buchs neue Ziele setzen. Als Aufstiegsaspiranten nennt «Cecco» aber kein Team aus der Spitzengruppe. «Für mich ist Vaduz II Favorit.» Die U23-Truppe des Super-League-Clubs liegt auf Rang acht und weist acht Punkte Rückstand auf Leader Buchs auf. Doch der Trainer hält einen Vaduzer Durchmarsch in der Rückrunde für möglich: «Wenn sie von der ersten Mannschaft Spieler holen können, bin ich überzeugt,dass sie alle Spiele gewinnen  können und so an der Tabellenspitze ein Wort mitreden können.»

Weniger Erfahrung
Keine Änderung gab es beim FC Buchs in der Vorbereitung auf die Rückrunde. «Die war mühsam wie immer», gibt Francesco Clemente Auskunft. Sehr viel laufen, aber wenig mit dem Ball auf dem Platz, so seine Zusammenfassung. Doch er ist überzeugt davon, dass seine Jungs gut gerüstet sind. Man habe auch viel Abwechslung in diese Phase gebracht. Sachen unternommen, die nicht direkt mit Fussball zu tun haben, fasst er zusammen. Teambuilding also für eine Mannschaft, die bereits lange zusammen ist und über einen guten Teamgeist verfügt. Der Spielertrainer feilt sogar noch an der grossen Stärke der Equipe. Schwächer als in der Vorrunde könnte der FC Buchs aus einem Grund sein: Mit Gerardo Clemente und Ronny Büchel stehen zwei erfahrene Spieler nicht mehr zur Verfügung. VomFC Rheineck stiess aber der zentrale Mittelfeldspieler Blerim Ibrahimi zum Team.

Neue Inputs für das Team
Ein schwieriges Erbe tritt Memo Eriten an. Sein Vorgänger hat den FC Gams auf Rang eins geführt. «Ich denke, ein Trainer, der die Arbeit angefangen hat und die ganze Saison durchziehen kann, hat es sicher einfacher», so der Neo-Trainer. Entmutigen lässt sich Eriten aber nicht. «Es hat auch seine Vorteile. Mit neuen Inputs für die Mannschaft kann man auch dazu beitragen, vorne dabei zu bleiben.» Sein Engagement bei den Gamsern bezeichnet er als «Riesenherausforderung». Sein Ziel ist, unter den ersten drei zu bleiben und «möglichst lange vorne mitzuspielen.» Die Rolle des Gejagten schreckt ihn überhaupt nicht: «Ein super Gefühl. Die Mannschaft ist intakt, die kommt mit dem Druck klar, Rang eins ist mehr Lust als Last.»

«Variabler sein»
Lust auf den FC Gams haben auch die neuen Spieler. Hasri Sabani und Dominik Hardegger spielten in der Vorrunde noch beim Nachbarnund Ligakonkurrenten FC Haag. Und da ist noch Nurudeen Mohammed, genannt Paco, der in Spanien als Profi gespielt hat. «Ein Riesengewinn für die Mannschaft», äussert sich Eriten dazu. Doch mit Transfers allein ist noch keine gute Rückrunde garantiert. «Vor allem im taktischen Bereich habe ich viel gearbeitet», sagt der Trainer. «Wir wollen in der Rückrunde mehrere Aufstellungen spielen können, variabler sein.» Auch im konditionellen Bereich wurde emsig gearbeitet.

Aufstieg ist nicht planbar
Beide Trainer halten grosse Stücke auf ihre Crew. «Ich traue der Mannschaft zu, aus jedem Match als Sieger vom Platz zu gehen», so Francesco Clemente. «Ich traue der Mannschaft sehr viel zu. Sie kann auch den Aufstieg schaffen», lässt sich Memo Eriten entlocken. Der FC Gams, so Eriten weiter, kann auch in elf Runden an der Ranglistenspitze stehen, «weil wir eine super Teamharmonie haben und jeder für jeden kämpft.» Und der FC
Buchs? «Theoretisch ist Rang eins nach der Rückrunde möglich», sagt Clemente. «Aber das wird verdammt schwierig. Denn in der Vorrunde waren wir der Aufsteiger, gegen den traten die Teams an, um zu gewinnen. Jetzt spielt man gegen den Leader, um nicht zu verlieren. Das ist ein ganz grosser Unterschied.»

Quelle, Werdenberger und Obertoggenburger (Robert Kucera)

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